{"id":6255,"date":"2022-09-05T15:50:56","date_gmt":"2022-09-05T14:50:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gxfs.eu\/?p=6255"},"modified":"2022-09-05T15:56:54","modified_gmt":"2022-09-05T14:56:54","slug":"die-industrie-als-motor-fuer-die-digitalisierung-der-europaeischen-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gxfs.eu\/de\/die-industrie-als-motor-fuer-die-digitalisierung-der-europaeischen-wirtschaft\/","title":{"rendered":"Die Industrie als Motor f\u00fcr die Digitalisierung der europ\u00e4ischen Wirtschaft?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"289\" src=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/MicrosoftTeams-image-6-1024x289.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1811\" srcset=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/MicrosoftTeams-image-6-1024x289.jpg 1024w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/MicrosoftTeams-image-6-300x85.jpg 300w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/MicrosoftTeams-image-6-768x216.jpg 768w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/MicrosoftTeams-image-6.jpg 1263w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Im Interview mit Ernst St\u00f6ckl-Pukall, Referatsleiter f\u00fcr Digitalisierung und Industrie 4.0 im Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:15%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"180\" height=\"181\" src=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Ernst-Stoeckl-Pukall-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5173\" srcset=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Ernst-Stoeckl-Pukall-2.jpg 180w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Ernst-Stoeckl-Pukall-2-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:80%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erfinder der Cloud kommen allesamt aus der US-Digitalwirtschaft: Sie betreiben Suchmaschinen und soziale Netzwerke, E-Commerce-Plattformen und Software-Konzerne. Die Erneuerer der Cloud kommen, mit etwas Gl\u00fcck, aus Europa, und viele Schwergewichte unter ihnen sind klassische Industriekonzerne. Warum ausgerechnet die \u201eOld Economy\u201c den digitalen Wandel in der Alten Welt treibt und sogar zum Nukleus f\u00fcr Europas neue Cloud- und Dateninfrastruktur wird, verr\u00e4t <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/ernst-st%C3%B6ckl-pukall-12473983\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ernst St\u00f6ckl-Pukall<\/a>, Referatsleiter f\u00fcr Digitalisierung und Industrie 4.0 im Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz, im Interview mit <a href=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">GXFS-DE<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Herr St\u00f6ckl-Pukall, warum ist die Industrie so wichtig f\u00fcr Europas Antwort auf die gro\u00dfen US-Clouds?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Europa erreichen wir in Sachen Digitalisierung erst mit der Industrie die n\u00f6tige Skalierung. Bei breit angelegten Initiativen wie Gaia-X muss die Industrie mit an Bord sein und wirklich wollen, dann werden sich die Dinge bewegen. Ein Beispiel f\u00fcr dieses Momentum ist das Leuchtturmprojekt <a href=\"https:\/\/catena-x.net\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Catena-X<\/a>, mit dem die Automobilwirtschaft ihre Liefer- und Prozessketten digitalisieren will. So wichtig und innovativ alle Gaia-X-F\u00f6rderprojekte sind: Catena-X und der Gaia-X-Datenraum Mobilit\u00e4t stechen heraus. Aber wir m\u00fcssen die gesamte Industrie mit ihren komplexen und globalen Verflechtungen einbinden. Daran arbeiten wird. Mit einem hohen Industrieanteil ist die Digitalisierung der Industrie f\u00fcr Deutschland essenziell f\u00fcr unsere zuk\u00fcnftige Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Wenn die Industrie die Daten\u00f6kosysteme der Zukunft aufbaut, entsteht ein gewaltiges Innovationspotenzial, das die ganze Wirtschaft erfasst. Diese Chance haben wir im Moment. Wenn wir das schaffen wollen, m\u00fcssen wir aber eine weitere Herausforderung meistern: Der Cloud-Markt liefert bisher nicht die L\u00f6sungen und Rahmenbedingungen, die die Industrie f\u00fcr den digitalen Wandel in den n\u00e4chsten Jahren braucht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mit welchen Problemen k\u00e4mpft die Industrie bei der Digitalisierung?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Sachen Automation macht der Industrie niemand etwas vor. Keine andere Branche erreicht dieses Ma\u00df an Effizienz. Die Smart Factory ist h\u00e4ufig schon Realit\u00e4t. Anders schaut es bei datenbasierten und unternehmens\u00fcbergreifenden Gesch\u00e4ftsmodellen aus: Der Austausch von Daten innerhalb der Lieferkette erfolgt oft noch unter hohem manuellem und personellem Aufwand. In der Automobilindustrie zum Beispiel besch\u00e4ftigen die gro\u00dfen Hersteller zahlreiche Mitarbeiter, die am Telefon zeitaufw\u00e4ndig versuchen, St\u00f6rungen in ihren globalen Lieferketten zu lokalisieren und zu beheben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was macht den Datenaustausch f\u00fcr die Industrie so umst\u00e4ndlich?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor nur ein Bit \u00fcbertragen wird, muss etwa ein Autohersteller technische und rechtliche Rahmenbedingungen mit jedem seiner Partner einzeln in der Lieferkette abstimmen. Das treibt die Transaktionskosten f\u00fcr datenbasierte Kooperation in die H\u00f6he, komplexe datenbasierte Anwendungen sind so kaum darstellbar. Und dann noch die Angst, dass man die Hoheit bzw. Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber die eigenen Daten verliert. So wird schlummerndes Potenzial von Daten gar nicht erst entdeckt. Viele Betriebe \u2013 ob gro\u00dfe oder klein \u2013 wissen noch nicht, auf welchen Daten sie sitzen und wie sie davon gemeinsam mit anderen profitieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6nnen Sie die Schwierigkeiten beim Datenaustausch an einem Beispiel veranschaulichen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nehmen wir das Thema Nachhaltigkeit: Ohne Datenr\u00e4ume und datenbasierte Gesch\u00e4ftsmodelle bleibt die Kreislaufwirtschaft in der Industrie Wunschdenken. Minister Robert Habeck hat es in einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?app=desktop&amp;v=nPz-GdQvcog\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Video<\/a> auf den Punkt gebracht: Ein einziger Kabelstrang in einem Auto besteht aus f\u00fcnftausend Einzelteilen. Jetzt stellen Sie sich das ganze Auto vor und im n\u00e4chsten Schritt die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette f\u00fcr das Auto. Um seine Wertstoffe effizient wiederzuverwerten oder den CO2-Fu\u00dfabdruck zu berechnen, braucht es Daten \u00fcber den Lebenszyklus zehntausender Einzelteile und Rohstoffe. Und diese Daten m\u00fcssen die Zulieferer und Hersteller entlang der gesamten Liefer- und Prozesskette miteinander teilen und anreichern bis hin zum H\u00e4ndler und Kunden. Ohne diese Informationen m\u00fcsste sich jeder Akteur auf eigene Faust und jedes Mal aufs Neue einen \u00dcberblick verschaffen \u00fcber Material, Zusammensetzung, Alter, Herkunft, Gefahrstoffe und so weiter. Der Aufwand w\u00fcrde sich verzigfachen. Geteilte Daten sparen hier also nicht nur Zeit, sie machen bestimmte Fortschritte \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich. Sie sehen, Standardisierung und Automatisierung spielen hier eine herausragende Rolle.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Um beim Beispiel zu bleiben: Wie haben sich Unternehmen bisher Informationen zu Stoffkreisl\u00e4ufen oder CO2-Bilanzen innerhalb ihrer Lieferkette beschafft?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Innerhalb ihrer Organisation verf\u00fcgen Unternehmen in der Regel \u00fcber gute Informationen. Und vielleicht noch \u00fcber passable Informationen von Partnern innerhalb ihres Landes. Nahezu unm\u00f6glich wird es, Prozessdaten aus der Lieferkette von au\u00dfereurop\u00e4ischen Partnern zu beschaffen, erst recht nicht systematisch, kontinuierlich und vollst\u00e4ndig. In solchen F\u00e4llen behelfen sich Unternehmen mit Durchschnittswerten. Aber mit \u201ePi mal Daumen\u201c k\u00f6nnen Sie nichts steuern, geschweige denn optimieren! Deshalb sind Stoffkreisl\u00e4ufe in globalen Wertsch\u00f6pfungsketten h\u00e4ufig noch Flickwerk, oder die Informationen sind schlichtweg nicht transparent vorhanden. Unter solchen Bedingungen k\u00f6nnen Unternehmen \u00fcberhaupt keinen CO2-Fu\u00dfabdruck jedes produzierten Guts berechnen. Aber gerade solche F\u00e4higkeiten m\u00fcssen wir in einem Zeitalter entwickeln, in dem die nat\u00fcrlichen Ressourcen zur Neige gehen und Lieferketten rei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Technologien wie Cloud-Computing, Internet of Things und schnelle Datennetze sind bereits verf\u00fcgbar. Woran also mangelt es?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es fehlt an Standards, damit branchenweite Datenr\u00e4ume m\u00f6glich werden. Es fehlt an Verfahren, die einen souver\u00e4nen Datenaustausch nach europ\u00e4ischen Vorstellungen und Werten garantieren. Und es fehlen hochleistungs- und echtzeitf\u00e4hige Cloud-Infrastrukturen in der Fl\u00e4che, die interoperabel sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum muss der Staat hier aktiv werden?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil der Cloud- und IT-Markt die n\u00f6tigen Leistungen und Innovationen nicht aus eigener Kraft hervorbringt. In Teilen m\u00fcssen wir sogar von einem Marktversagen sprechen, insbesondere, was die Wahlm\u00f6glichkeiten und die Interoperabilit\u00e4t zwischen Cloud-Angeboten betrifft. Heute sind Unternehmen in der EU weitgehend abh\u00e4ngig von den Angeboten weniger au\u00dfereurop\u00e4ischer Hyperscaler. Die Gesch\u00e4ftsmodelle der gro\u00dfen Plattformbetreiber sind darauf ausgelegt, dass Kunden m\u00f6glichst alle Leistungen von ihnen beziehen. Entsprechend hoch sind die Kosten eines Anbieter-Wechsels. Die M\u00f6glichkeit, Cloud-Dienste verschiedener Plattformen zu kombinieren, sind begrenzt. Es kann nicht sein, dass alle Unternehmen innerhalb einer Wertsch\u00f6pfungskette, geschweige denn einer ganzen Branche, dieselbe Cloud-Plattform nutzen m\u00fcssen, um Daten reibungslos auszutauschen und gemeinsam zu verarbeiten. Das m\u00fcssen wir aufbrechen, um die Digitalisierung der Industrie und Innovationen durch Nutzung von Daten zu bef\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was wollen Sie stattdessen erreichen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle unsere Aktivit\u00e4ten treibt die Frage: Wie schaffen wir es, dass unsere Industrie nicht nur effizient produziert, sondern digital vernetzte Produktionsprozesse aufbaut und den ganzen Lebenszyklus einbezieht? Das ist der Schl\u00fcssel f\u00fcr Nachhaltigkeit, Resilienz und globale Wettbewerbsf\u00e4higkeit Unsere Industriebetriebe sollen weltweit zu Treibern f\u00fcr die Digitalisierung ihrer Branche werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu brauchen wir gemeinsame Datenr\u00e4ume nach europ\u00e4ischen Werten. Wir brauchen einen Cloud-Markt, in dem Dienste verschiedener Anbieter interoperabel sind. Wir brauchen au\u00dferdem ausreichende Cloud-Kapazit\u00e4ten vor Ort, am so genannten Edge, um gro\u00dfe Datenmengen gleich dort in Echtzeit zu verarbeiten, wo sie anfallen. Denn kein noch so ehrgeiziger Ausbau der Datennetze wird mit dem bevorstehenden Wachstum der Datenmengen in Zukunft Schritt halten. F\u00fcr dieses europ\u00e4ische Netzwerk aus zentralen Cloud- und dezentralen Rechenzentren am Edge \u2013 wir sprechen auch von einem Cloud-Edge-Kontinuum \u2013 wollen wir offene Standards, Regeln und Verfahren schaffen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das deutsche Wirtschaftsministerium unterst\u00fctzt gleich mehrere multimillionenschwere Initiativen zur Digitalisierung der hiesigen Industrie. Wie h\u00e4ngen diese Vorhaben zusammen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.plattform-i40.de\/IP\/Navigation\/DE\/Industrie40\/Leitbild2030\/leitbild-2030.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sie sind zu einem guten Teil industriegetrieben<\/a>. Diese Urspr\u00fcnge reichen zur\u00fcck zu den Anf\u00e4ngen von Industrie 4.0 im Jahr 2011. Ziel war seinerzeit schon die digital vernetze Industrieproduktion. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollten Deutschlands Unternehmen weltweit f\u00fchrend sein bei Entwicklung und Umsetzung von Technologien f\u00fcr Industrie 4.0. Heute sind sie es. Die Gr\u00fcndung der \u201e<a href=\"https:\/\/www.plattform-i40.de\/IP\/Navigation\/DE\/Home\/home.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Plattform Industrie 4.0<\/a>\u201c unter Co-Leitung des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesforschungsministeriums hat ein einzigartiges und kreatives Netzwerk geschaffen. Sie hat national und international eine hohe Strahlkraft und globale Grundlagen f\u00fcr die digitale Transformation der Industrie entwickelt und vorangebracht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Konzept f\u00fcr Gaia-X stammt ebenfalls aus Ihrem Haus. Warum eine weitere Initiative neben der Plattform Industrie 4.0?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Plattform Industrie 4.0 hat ein weit verzweigtes Netzwerk mit \u00fcber 350 Mitgliedern aus mehr als 150 Organisationen in Politik, Wissenschaft, Unternehmen, Gewerkschaften und Verb\u00e4nden. Dort wurde das Thema digitale Souver\u00e4nit\u00e4t als Grundlage f\u00fcr Industrie 4.0 fr\u00fch auf den Tisch gelegt. Die Plattform verf\u00fcgt \u00fcber erprobte Prozesse und Strukturen inklusive einer eigenen Gesch\u00e4ftsstelle, finanziert durch unser Ministerium. Damit konnten wir vor drei Jahren von heute auf morgen eine Task-Force einrichten und die Entwicklung eines Konzepts auf den Weg bringen, das heutige Gaia-X . Die Plattform Industrie 4.0 war der Inkubator f\u00fcr Gaia-X.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung eines Datenraums Industrie 4.0 ist der zweite wichtige Baustein f\u00fcr die Transformation unserer Wirtschaft und Industrie. Nur in einem offenen, transparenten und interoperablen \u00d6kosystem k\u00f6nnen k\u00fcnftige datengetriebene Gesch\u00e4ftsmodelle und Ans\u00e4tze der Kooperation \u00fcberhaupt funktionieren. Konzepte wie die sogenannte Verwaltungsschale oder der digitale Zwilling bilden daf\u00fcr gute Grundlagen. Damit Use Cases wie Catena-X m\u00f6glich werden, m\u00fcssen wir aber die Gaia-X-Prinzipien erfolgreich einf\u00fchren. Das ist auf gutem Weg. Aber es fehlt immer noch ein Baustein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sie spielen auf Ihre neuste Initiative an. Den Aufbau einer eigenen Cloud-Infrastruktur f\u00fcr Europa im Rahmen des Projekts IPCEI-CIS.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Konzept haben wir tats\u00e4chlich aus unserem Ministerium heraus angesto\u00dfen. Dabei hat uns sehr geholfen, dass Thierry Breton, <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/commissioners\/2019-2024\/breton_en\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">EU-Kommissar f\u00fcr Binnenmarkt und Dienstleistungen<\/a> und ehemaliger CEO des franz\u00f6sischen IT-Konzerns ATOS SE, schon l\u00e4nger ein Cloud-IPCEI &nbsp;aufsetzen wollte. Doch daf\u00fcr braucht es in der EU die Genehmigung der Kommission. Wenn etwa ein Marktversagen vorliegt, d\u00fcrfen die Mitgliedsstaaten in den Markt eingreifen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neuartige, europ\u00e4ische Cloud-Infrastruktur setzt auf Offenheit, Echtzeitf\u00e4higkeit, Energieeffizienz und Cybersicherheit. Sie st\u00e4rkt die gemeinsame und selbstbestimmte Nutzung von Daten und er\u00f6ffnet industriellen Anwendern das volle Potenzial von Digitalisierung und Industrie 4.0. Sie setzt dabei auf Gaia-X auf und bringt es in die industrielle Anwendung. Das ist unser dritter Baustein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derzeit liegt bei der Kommission in Br\u00fcssel der Antrag f\u00fcr dieses Important Project of <a href=\"https:\/\/www.bmwk.de\/Redaktion\/DE\/Artikel\/Industrie\/ipcei-cis.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Common European Interest for Next Generation Cloud Infrastructure and Services, kurz IPCEI-CIS<\/a>, vor. Auf hunderten von Seiten skizzieren zw\u00f6lf EU-Mitgliedsstaaten ihre Entwicklungsprojekte, die sie bis Ende 2026 umsetzen wollen, erg\u00e4nzt um zahlreiche ausf\u00fchrliche Einzelprojektbeschreibungen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Steht nicht schon Gaia-X f\u00fcr die europ\u00e4ische Cloud?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gaia-X ist kein origin\u00e4res Cloud-Angebot. Gaia-X liefert ein Framework zum f\u00f6derieren von bestehenden Angeboten, und damit&nbsp; einen Daten-Layer f\u00fcr Europas digitale Dateninfrastruktur. Es entwickelt klare Regeln und Verfahren f\u00fcr den Austausch von Daten zwischen Nutzern, Datenanbietern und Betreibern von Cloud-Plattformen und schlie\u00dft sie in Datenr\u00e4umen nach europ\u00e4ischen Regeln zusammen. Das IPCEI-CIS zielt auf eine andere Ebene, die technische Infrastruktur. Die EU-Mitgliedsstaaten wollen ein Cloud-System entwickeln, durch das wir zentrale wie dezentrale Cloud-Angebote technisch vollst\u00e4ndig interoperabel \u00fcber Anbieter hinweg in Europa miteinander vernetzen. Es wird eine offene Cloud entstehen: Ihr kann sich jeder anschlie\u00dfen, der die gemeinsamen Technologien und die Regeln unterst\u00fctzt. Diese offene Cloud bildet eben jenes \u201eCloud-Edge-Kontinuum\u201c \u00fcber ganz Europa, das ausreichend skalierbare, energieeffiziente, interoperable und echtzeitf\u00e4hige Datenverarbeitungskapazit\u00e4t garantiert und bereitstellt. Das haben wir Stand heute noch nicht. Eine solche Infrastruktur w\u00e4re ein gro\u00dfer Sprung f\u00fcr die europ\u00e4ische Wirtschaft und ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit im digitalen Zeitalter. Es w\u00fcrde beispielsweise auch die \u201eRechenzentren\u201c in Fahrzeugen oder in Unternehmen verbinden. Dass dies v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet, ist offensichtlich. Zugleich ist es eine gro\u00dfe Herausforderung, die Wirtschaft und Politik nur gemeinsam bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie spielen Gaia-X und IPCEI-CIS zusammen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie erg\u00e4nzen sich perfekt. Mit dem <a href=\"https:\/\/www.bmwk.de\/Redaktion\/DE\/Pressemitteilungen\/2021\/04\/20210413-datenraum-fuer-industrie-40-schaffen-und-co2-neutrale-produktion-entwickeln.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gaia-X-Framework schaffen wir die offenen, interoperablen und f\u00f6derierten Datenr\u00e4ume, das IPCEI-CIS standardisiert quasi die Cloud-Infrastruktur darunter<\/a>. Es wird mit dem IPCEI-CIS ein hochleistungsf\u00e4higes interoperables Cloud-System in Europa entstehen. Und das wird Gaia-X basierte Datenr\u00e4ume schnell skalieren lassen. Gleichzeitig st\u00e4rkt es den europ\u00e4ischen Cloudmarkt. Alles zusammen wird Innovationen hervorbringen, die vielleicht noch unsere Vorstellungen \u00fcbertreffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Cloudmarkt ist einiges in Bewegung: Interoperabilit\u00e4t und Transparenz werden immer st\u00e4rker eingefordert. Gleichwohl sind es am Ende immer noch \u00fcberwiegend geschlossenen Produktwelten, mit denen die Nutzer heute konfrontiert sind. Die gro\u00dfen Anbieter k\u00f6nnen eine eigene propriet\u00e4re Infrastruktur, vom Smartphone bis zum Computerchip im Rechenzentrum, realisieren. Das bringt Effizienz und Skalenertr\u00e4ge. Das zwingt aber zugleich Kunden in die Abh\u00e4ngigkeit und hemmt den digitalen Fortschritt. Wir streben die \u00fcberf\u00e4llige Harmonisierung f\u00fcr den Cloud-Markt als Ganzes an: offen f\u00fcr viele Anbieter und nicht nur f\u00fcr wenige. Das wird im \u00dcbrigen auch die Sicherheit und Resilienz digitaler Anwendungen substanziell erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wollen Sie die komplette Cloud neu erfinden?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Selbstverst\u00e4ndlich sollen bestehende Technologien und Standards, wo es m\u00f6glich und sinnvoll ist, genutzt werden. Bei Gaia-X, \u00e4hnlich wie bei IPCEI-CIS geht es u. a. um Referenzarchitekturen f\u00fcr Datenr\u00e4ume und den Betrieb von offenen Cloud-Systemen. Wir brauchen offene Technologien und gemeinsame Standards und Verfahren. Nur so schaffen wir marktweite Interoperabilit\u00e4t und verl\u00e4ssliche Regeln f\u00fcr alle Akteure. Und nur so ist es m\u00f6glich, dass ein Mittelst\u00e4ndler eine Private Cloud bei sich aufbaut und seine Systeme kompatibel sind mit den Cloud- und Edge-Infrastrukturen von Gesch\u00e4ftspartnern und allen m\u00f6glichen Anbietern. So h\u00e4tte jedes Unternehmen mit seinen Daten Zugang zum paneurop\u00e4ischen Cloud-Edge-Kontinuum. Das sind die Bausteine f\u00fcr den digitalen Binnenmarkt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Herr St\u00f6ckl-Pukall, wir danken Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas Weiss &amp; Thomas Sprenger<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Autoren.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1808\" width=\"317\" height=\"159\" srcset=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Autoren.png 1266w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Autoren-300x150.png 300w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Autoren-1024x514.png 1024w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Autoren-768x385.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 317px) 100vw, 317px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"every-month-on-linkedin-and-www-gxfs-eu\">Jeden Monat auf LinkedIn und www.gxfs.eu<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier auf LinkedIn sowie auf <strong><a href=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/de\/\">www.gxfs.eu<\/a><\/strong> f\u00fchren wir Sie jeden Monat durch die Welt von Gaia-X. Unsere Analysen und Interviews pr\u00e4sentieren ihnen Hintergr\u00fcnde und Einblicke, wie eine europ\u00e4ische Initiative und ihre Mitstreiter ein \u00d6kosystem f\u00fcr die Wertsch\u00f6pfung aus Daten schaffen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kopf dieser Artikelreihe ist <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/andreas-weiss-eco\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Andreas Weiss<\/a>. Als Leiter f\u00fcr digitale Gesch\u00e4ftsmodelle bei eco sowie als Direktor von EuroCloud Deutschland_eco ist Andreas Weiss bestens mit der Internet- und Cloud-Industrie in Europa vernetzt und vertraut. Seine Erfahrungen bringt er in die Gaia-X Federation Services (GXFS) ein, dessen Projekteams f\u00fcr die Entwicklung der Gaia-X-Kerntechnologien verantwortlich sind. Unter Federf\u00fchrung des eco wird das GXFS-DE-Projekt zudem vom deutschen Bundesministeriums f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gef\u00f6rdert und steht im engen Austausch mit der Gaia-X Association for Data and Cloud (AISBL). Unterst\u00fctzt wird Weiss auf diesem Blog von <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/thomassprenger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Thomas Sprenger<\/a>, der als Autor und Texter seit zwanzig Jahren \u00fcber den digitalen Wandel schreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Interview mit Ernst St\u00f6ckl-Pukall, Referatsleiter f\u00fcr Digitalisierung und Industrie 4.0 im Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz Die Erfinder der Cloud kommen allesamt aus der US-Digitalwirtschaft: Sie betreiben Suchmaschinen und soziale Netzwerke, E-Commerce-Plattformen und Software-Konzerne. 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