{"id":2567,"date":"2022-03-03T16:51:18","date_gmt":"2022-03-03T15:51:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gxfs.eu\/?p=2567"},"modified":"2022-05-25T14:46:55","modified_gmt":"2022-05-25T13:46:55","slug":"braucht-europa-eine-andere-cloud","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gxfs.eu\/de\/braucht-europa-eine-andere-cloud\/","title":{"rendered":"Braucht Europa eine andere Cloud?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"289\" src=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/MicrosoftTeams-image-6-1024x289.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1811\" srcset=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/MicrosoftTeams-image-6-1024x289.jpg 1024w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/MicrosoftTeams-image-6-300x85.jpg 300w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/MicrosoftTeams-image-6-768x216.jpg 768w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/MicrosoftTeams-image-6.jpg 1263w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Trotz anf\u00e4nglicher Vorbehalte k\u00f6nnte sich Gaia-X zur Cloud-Infrastruktur der n\u00e4chsten Generation entwickeln. Im Erfolgsfall wird die Initiative der Daten\u00f6konomie in Europa nachhaltigen Schub verleihen. Aber was genau wollen die Initiatoren mit Gaia-X erreichen? Eine Analyse.\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"dusenjet-oder-lahme-ente\">Europa baut seine digitale Infrastruktur f\u00fcr das Datenzeitalter&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cloud Computing ist nicht die erste Digital-Technologie, bei der Europa von den USA und Asien abgeh\u00e4ngt wurde. Auch bei Personal Computern, Betriebssystemen und Anwendungssoftware, sp\u00e4ter bei Suchmaschinen und sozialen Netzwerken hatten wir Europ\u00e4er das Nachsehen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Weltmarkt f\u00fcr Cloud Computing dominieren heute <a href=\"https:\/\/aws.amazon.com\/de\/resources\/analyst-reports\/gartner-mq-cips-2021\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">f\u00fcnf Plattformen aus den USA und China<\/a>. Allein die drei gr\u00f6\u00dften unter ihnen, Amazon, Microsoft und Googles Mutterkonzern Alphabet, halten <a href=\"https:\/\/www.cloudcomputing-insider.de\/die-big-player-im-cloud-markt-a-1057809\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">einen Marktanteil von zwei Dritteln<\/a>. Hyperscaler nennt man sie, weil sie die Kapazit\u00e4t ihrer Rechenzentren scheinbar unendlich erweitern k\u00f6nnen. Dank ihrer schieren Gr\u00f6\u00dfe und Kundenzahl verbuchen sie gigantische Skalenvorteile und Gewinne. Was die Cloud kann und wohin sie sich entwickelt, bestimmen die Hyperscaler mit milliardenschweren Entwicklungsbudgets. Europ\u00e4ische Provider konkurrieren neben diesem Oligopol nur unter ferner liefen und konzentrieren sich h\u00e4ufig auf kleinere, exklusivere Angebote.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kein digitaler Wandel ohne die Datenwolke&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf die n\u00e4chste Chance zu warten, ist f\u00fcr die Europ\u00e4er hierbei keine Option: Die Zukunftstechnologien des 21. Jahrhunderts wie K\u00fcnstliche Intelligenz, vernetzte Industrieproduktion, Telemedizin, autonome Mobilit\u00e4t, Smart Citys und die digitale Verwaltung basieren allesamt auf der Verf\u00fcgbarkeit von Cloud-Infrastrukturen. 80 Prozent der F\u00fchrungskr\u00e4fte in Deutschland sind \u00fcberzeugt: In Zukunft h\u00e4ngen Wohlstand und Fortschritt in Europa vom sicheren Zugriff und unserem Einfluss auf diese Technologie ab. So das Ergebnis einer <a href=\"https:\/\/www.eco.de\/presse\/gaia-x-eco-unterstuetzt-konzeption-einer-souveraenen-europaeischen-dateninfrastruktur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">YouGov-Umfrage im Auftrag von eco<\/a>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen die schwachen Akzeptanzwerte f\u00fcr die Cloud bei europ\u00e4ischen Unternehmen \u2013 sogar nach dem Digitalisierungsschub durch Corona. Im Durchschnitt <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/statistics-explained\/index.php?title=Cloud_computing_-_statistics_on_the_use_by_enterprises&amp;utm_source=pocket_mylist\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">nutzten 2021 gerade einmal vier von zehn Unternehmen in der EU Ressourcen aus der Cloud<\/a>, allerdings mit starken Unterschieden zwischen den Mitgliedsstaaten. Die Vorreiter Skandinavien und Benelux melden Nutzungsraten zwischen sechzig und achtzig Prozent. Die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft in der Union, Deutschland, liegt mit f\u00fcnfzig Prozent nur knapp \u00fcber dem Durchschnitt, Frankreich, die zweitgr\u00f6\u00dfte, mit weniger als drei\u00dfig Prozent deutlich darunter. Im Vergleich dazu <a href=\"https:\/\/hostingtribunal.com\/blog\/cloud-adoption-statistics\/#gref\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">bezogen in den Vereinigten Staaten schon ein Jahr zuvor 94 Prozent aller Unternehmen Services aus der Public Cloud<\/a>. Ganze 83 Prozent aller IT-Prozesse der US-Wirtschaft werden bereits auf Cloud-Plattformen verarbeitet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb suchen die Europ\u00e4er nach Wegen, um bei der Gestaltung der wichtigsten digitalen Infrastruktur \u00fcberhaupt noch mitreden zu k\u00f6nnen. Zum Jahreswechsel 2020\/21 gr\u00fcndeten Unternehmen aus Frankreich und Deutschland zusammen mit 212 Organisationen und Unternehmen die wirtschaftspolitische Initiative Gaia-X. Entgegen mancher Schlagzeile ging es dabei nicht nur um Marktanteile f\u00fcr hiesige Cloud-Provider. <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/pulse\/gaia-x-blogreihe-ein-europ%25C3%25A4isches-%25C3%25B6kosystem-f%25C3%25BCr-die-aus-andreas-weiss\/?trackingId=flakDrTbTLu%2FvlwXUp9yrA%3D%3D\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Einen europ\u00e4ischen Hyperscaler als eine Art Airbus f\u00fcr die Digitalbranche wird es jedenfalls nicht geben<\/a>. Doch was wollen die Europ\u00e4er? Welche Anforderungen muss eine Cloud-Infrastruktur f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union und ihren k\u00fcnftigen digitalen Binnenmarkt erf\u00fcllen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vertrauen in Cloud-Plattformen braucht Transparenz&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuallererst setzt die Initiative bei den Vorbehalten an, die europ\u00e4ische Unternehmen gegen Cloud-Dienste haben: Es fehlt an Vertrauen in den Schutz der Privatsph\u00e4re und von Gesch\u00e4ftsgeheimnissen. Au\u00dfereurop\u00e4ische Cloud-Provider unterliegen in erster Linie dem nationalen Rechtssystem an ihrem Hauptsitz. In den USA etwa k\u00f6nnen die Geheimdienste Cloud-Anbieter dazu zwingen, Kundendaten auch aus ausl\u00e4ndischen Rechenzentren zug\u00e4nglich zu machen. Die betroffenen Unternehmen werden danach nicht einmal \u00fcber die Verletzung ihrer Datensouver\u00e4nit\u00e4t informiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Rechtspraxis hat ihren Preis: Seit Jahren wird die Konformit\u00e4t der US-Plattformen mit den strengen Datenschutzregeln der EU nur durch rechtliche Provisorien verb\u00fcrgt, die Klagen regelm\u00e4\u00dfig zu Fall bringen. Nach jedem dieser Urteile riskieren Cloud-Kunden in Europa, selbst gegen EU-Gesetze zu versto\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Datensouver\u00e4nit\u00e4t geht aber noch \u00fcber den Schutz vor staatlichen Zugriffen hinaus. Wie wir in <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/pulse\/warum-uns-wertsch%C3%B6pfung-aus-daten-noch-schwerf%C3%A4llt-andreas-weiss\/?originalSubdomain=de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Folge 1 unserer Blogreihe<\/a> zeigen, ben\u00f6tigt auch das Teilen von Daten mit Dritten Vertrauen. Solange alle Partner dieselbe Plattform nutzen, gelten zumindest die Regeln eines Anbieters. Doch wie sch\u00fctzt Partei A ihre Daten auf Cloud X, die von Partei B auf Cloud Y verarbeitet werden? Und wie stellt Partei A sicher, dass ihre digitalen G\u00fcter nur zu diesem Zweck verarbeitet werden?&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Sicht der Kunden wirken heutige Cloud-L\u00f6sungen wie eine Black-Box, weil sie auf kommerziellen und propriet\u00e4ren L\u00f6sungen basieren. Nur ihre Betreiber kennen im Detail Eigenschaften und Prozesse ihrer Plattformen, sofern sie nicht durch Gesetze vorgeschrieben werden. 61 Prozent der F\u00fchrungskr\u00e4fte aus der <a href=\"https:\/\/www.eco.de\/presse\/gaia-x-eco-unterstuetzt-konzeption-einer-souveraenen-europaeischen-dateninfrastruktur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">obigen YouGov-Umfrage<\/a> fordern darum von der Bundesregierung ein st\u00e4rkeres Engagement f\u00fcr die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t von Cloud-Kunden. Analog ergab eine <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2021\/07\/05\/cloud-markt-in-europa-waechst-auf-53-milliarden-euro-2020-und-fast-das-neunfache-bis-2030\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">KPMG-Umfrage \u00fcber den europ\u00e4ischen Cloud-Markt<\/a>, dass f\u00fcr neun von zehn Befragten Datensouver\u00e4nit\u00e4t von herausragender Bedeutung bei der Wahl ihres Cloud-Providers ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t, Transparenz &amp; Wahlfreiheit&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Gaia-X schaffen die Initiatoren ein europaweites Cloud-\u00d6kosystem, in dem Daten und Dienste in einer vertrauensvollen Umgebung verf\u00fcgbar sind und gemeinsam genutzt werden. Dazu definiert das <a href=\"https:\/\/www.gxfs.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">deutsche Gaia-X-Projekt f\u00fcr die Federation Services (GXFS)<\/a> eigens Mindestanforderungen f\u00fcr Cloud-Dienste und l\u00e4sst die Referenz-Software f\u00fcr den Betrieb des f\u00f6derierten \u00d6kosystems entwickeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Unterschied zum heutigen Cloud-Markt werden diese F\u00f6derationsdienste volle Transparenz \u00fcber die tats\u00e4chlichen Service-Attribute jedes Cloud-Angebots garantieren wie den Standort der Daten, Zug\u00e4nglichkeit durch externes Personal, Datennutzung durch Dritte, Zertifizierungsgrad oder den geltenden Rechtsrahmen. Kunden k\u00f6nnen geeignete Cloud-Dienste frei nach gew\u00fcnschten Schl\u00fcsseleigenschaften ausw\u00e4hlen, ohne sich hierbei auf die freiwilligen Angaben von Anbieterseite verlassen zu m\u00fcssen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gaia-X-Nutzer identifizieren und vergleichen Service- und Datenanbieter und pr\u00fcfen ihre \u00dcbereinstimmung mit den Vorgaben des \u00d6kosystems. Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t schafft das Gaia-X-\u00d6kosystem sowohl durch Wahlfreiheit bei Diensten als auch durch vollst\u00e4ndige Kontrolle \u00fcber gespeicherte und verarbeitete Daten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Softwarebausteine f\u00fcr ihre F\u00f6derationsdienste stellt GXFS unter Open-Source-Lizenz. Sie erlaubt Mitgliedern von Gaia-X, die Technologie frei zu nutzen und an besondere Branchen-Anforderungen anzupassen und weiterzuentwickeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neue Anforderungen durch datenbasierte Gesch\u00e4ftsmodelle<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In naher Zukunft werden datenbasierte Gesch\u00e4ftsmodelle v\u00f6llig andere Anforderungen an digitale Infrastrukturen stellen. Grund sind die Menge an Daten und das Tempo, mit dem sie verarbeitet werden. F\u00fcr 2020 <a href=\"https:\/\/www.seagate.com\/files\/www-content\/our-story\/trends\/files\/idc-seagate-dataage-whitepaper.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">sch\u00e4tzen die Marktforscher von IDC das weltweite Datenvolumen auf \u00fcber 50 Zetabyte<\/a> (das entspricht \u00fcber 50 Billionen Gigabyte). Bis 2025 soll sich dieser Wert mehr als verdreifachen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer mehr davon wird fernab der gro\u00dfen Rechenzentren anfallen und dezentral am Rand der Netzwerke in der sogenannten Edge gespeichert und verarbeitet. Nach <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2018\/11\/27\/weltweite-datenmengen-sollen-bis-2025-auf-175-zetabyte-wachsen-8-mal-so-viel-wie-2017\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IDC-Prognosen<\/a> sollen fortschrittliche Anwendungen wie vernetzte Industriemaschinen schon 2025 <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2018\/11\/27\/weltweite-datenmengen-sollen-bis-2025-auf-175-zetabyte-wachsen-8-mal-so-viel-wie-2017\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ein Drittel der anfallenden Daten in Echtzeit<\/a> verarbeiten. Solche Systeme reagieren empfindlich auf lange \u00dcbertragungswege \u2014 selbst \u00fcber lichtschnelle Glasfaserleitungen und neuste 5G-Mobilfunknetze.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heutige Cloud-Infrastrukturen sind dagegen weitgehend zentral organisiert. Ihre physische Infrastruktur konzentriert sich auf gigantische Rechencluster in der Nachbarschaft gro\u00dfer Internetknoten. Doch in der heraufziehenden Daten\u00f6konomie verliert die einzelne Public Cloud wieder ihre Rolle als zentraler Bezugspunkt der Unternehmens-IT. Sie wird zum Knoten in einem Mesh aus produktionsnahen Infrastrukturen und Datenquellen am Edge sowie stark skalierenden Ressourcen, bereitgestellt von zentralen Plattformen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die technische und \u00f6konomische Antwort auf diesen Bedarf hei\u00dft: Dezentralisierung. Allein in Europa braucht die Wirtschaft bald <a href=\"https:\/\/harald-a-summa.de\/bauen-sie-ihr-internet-doch-einfach-selbst\/2021\/10\/?utm_source=pocket_mylist\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">f\u00fcnf- bis sechstausend Cloud-Provider<\/a>, um ihren Bedarf an produktionsnahen Datenverarbeitungskapazit\u00e4ten zu stillen. In naher Zukunft wird der Cloud-Markt somit deutlich klein- und arbeitsteiliger sein, Stichwort Multi-Cloud.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die marktbeherrschenden Hyperscaler wiederum haben naturgem\u00e4\u00df wenig Interesse daran, ihre Verarbeitungskapazit\u00e4t zu teilen. Wer einmal seine Daten und seine Systeme an eine der gro\u00dfen Public-Cloud-Plattformen \u00fcbertr\u00e4gt, bindet sich an ihre Technologie. Der Wechsel zur Konkurrenz, erst recht das Orchestrieren verschiedener Provider, erfordern sehr viel Expertenwissen und ist mit hohen Kosten verbunden. Das n\u00f6tigt Gesch\u00e4ftskunden, m\u00f6glichst viele Komponenten ihrer Systemlandschaft auf einer Plattform zu b\u00fcndeln. Unternehmen f\u00fcrchten diesen Vendor-Lock-in, weil er Abh\u00e4ngigkeit schafft, aus der sie sich nur schwer l\u00f6sen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Dezentrale Verarbeitungskapazit\u00e4t &amp; Datenverf\u00fcgbarkeit&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gaia-X setzt dieser Ausgangslage sein Konzept eines dezentralen Cloud-\u00d6kosystems entgegen. Was ist damit gemeint? Kunden sollen Cloud-Dienste und Datenquellen wie Legosteine zu ihrer Business-IT zusammensetzen k\u00f6nnen. Entscheidend dabei ist, dass die Services unterschiedlicher Anbieter interoperabel sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder Service und jede Datenquelle repr\u00e4sentieren einen Knoten in diesem \u00d6kosystem, ganz gleich, ob er Rechen-, Speicher- oder Netzwerkdienste als IaaS, PaaS- oder SaaS-Dienst bereitstellt. Immer unter der Ma\u00dfgabe, dass Cloud-Kunden die volle Kontrolle \u00fcber ihre Daten behalten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einseitiger Fokus auf die St\u00e4rken der US-Wirtschaft&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenig \u00fcberraschend spiegelt die Cloud-Industrie aus dem Silicon Valley in erster Linie die St\u00e4rken US-amerikanischer Unternehmen wider: Sie sind Meister darin, Technologien massentauglich zu vermarkten. Aus den USA kommen heute die f\u00fchrenden Streamingdienste, E-Commerce-Portale und sozialen Netzwerke der westlichen Welt. Alles hoch standardisierte Dienste f\u00fcr ein Publikum von Millionen oder sogar Milliarden Kunden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dagegen gr\u00fcndet Europas wirtschaftliche St\u00e4rke nicht auf billionenschweren Konzernen, sondern auf den komplexen Wertsch\u00f6pfungsketten seiner hochspezialisierten Industrieunternehmen. Mit ihrem Fach- und Branchenwissen geh\u00f6ren sie zu den Weltmarktf\u00fchrern in ihren Nischen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daraus leiten sich andere Strategien f\u00fcr datenbasierte Gesch\u00e4ftsmodelle ab. In den industriellen Wertsch\u00f6pfungsketten, wie etwa in der Autoindustrie, wollen Gesch\u00e4ftspartner Daten auf Augenh\u00f6he teilen, ohne die Kontrolle abzugeben. Um sich schnell an neue Marktanforderungen anzupassen, m\u00fcssen sie verschiedene Datenquellen und Cloud-Services flexibel orchestrieren k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Digitaler Fortschritt in Amerika und Europa sind also zwei Paar Schuhe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hyperscaler produzieren laufend Innovationen, die ihren monolithischen Technologiestack st\u00e4rken und hypervertikalisierte Gesch\u00e4ftsmodelle unterst\u00fctzen. Europas Wirtschaft braucht dagegen Innovation in tausend Nischen, die zu klein sind f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsmodelle der Hyperscaler. Doch spezialisierte Provider sind im heutigen Cloud-Markt kaum wettbewerbsf\u00e4hig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Mehr Wettbewerb und Innovation f\u00fcr Wertsch\u00f6pfung in Europa&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darum will die Gaia-X-Initiative digitale Innovation f\u00fcr Europa in Branchennetzwerken und Datenr\u00e4umen organisieren. Unternehmen einer Branche wissen schlie\u00dflich selbst am besten, mit welchen Technologien sie Daten austauschen, \u00fcbertragen und verarbeiten. Gemeinsam legen sie in ihrer Dom\u00e4ne die Service-Attribute f\u00fcr Datenquellen und Cloud-Services fest und w\u00e4hlen danach ihre Provider.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist die Idee der f\u00f6derierten Cloud. Automobilbauer und ihre Zulieferer beispielsweise organisieren sich in der F\u00f6deration <a href=\"https:\/\/eurocloud.de\/news\/catena-x-und-gaia-x-eine-frage-des-betriebs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Catena-X<\/a>. So schaffen die beteiligten Akteure ein horizontales Netz f\u00fcr die gemeinsame Nutzung von Clouds und Daten, in dem einheitliche Regeln f\u00fcr Sicherheit, Transparenz, Souver\u00e4nit\u00e4t und Interoperabilit\u00e4t gelten.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gaia-X liefert dazu Standards und eine Musterarchitektur, inklusive der F\u00f6derationsdienste, die bereits in Entwicklung sind. Um Betrieb und Verwaltung sowie um Entwicklung weiterf\u00fchrender Technologien k\u00fcmmert sich jede F\u00f6deration selbst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So erm\u00f6glicht Gaia-X den Austausch von Daten innerhalb und zwischen Branchen sowie die Vernetzung von Daten und Diensten \u00fcber Anbieter- und Kundengrenzen hinweg. Gemeinsame Standards helfen, branchenspezifische Datensilos aufzubrechen, die aufgrund fehlender Datenschnittstellen nicht verkn\u00fcpft und ausgewertet werden k\u00f6nnen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugleich erschafft der Ansatz f\u00f6derierter \u00d6kosysteme einen Markt f\u00fcr spezialisierte Cloud-Provider und die wirtschaftliche Basis f\u00fcr Innovationen in den industriellen Nischen europ\u00e4ischer Hidden Champions. Von der Markttransparenz, dem breiten Zugang zu Dienstleistungsangeboten und den sich daraus ergebenden Chancen profitieren vor allem auch Unternehmen aus dem Mittelstand.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kein Nachahmerprodukt&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hat Europas IT-Industrie wom\u00f6glich auch deshalb keine gro\u00dfen Digital-Plattformen hervorgebracht, weil es schlicht nicht zu uns Europ\u00e4ern und Europ\u00e4erinnen passt? F\u00fcr Gaia-X und seine Vision braucht es jedenfalls etwas, das wir uns wirklich erarbeitet haben: Die F\u00e4higkeit Kompromisse zu schlie\u00dfen und widerspr\u00fcchliche Interessen zu einem Gemeinsamen zu formen \u2013 auch wenn hinterher keiner wei\u00df, wie man das dann nennen soll. Staatenbund, supranationaler Verbund, Cloud-\u00d6kosystem, Dataspaces, f\u00f6deriert, dezentral\u2026 Mit Gaia-X haben wir jedenfalls die reale Chance, aus bestehenden Technologien etwas gleichwohl Neues und Bahnbrechendes zu entwickeln. Es wird Zeit, dass nicht nur wir uns an die Technik anpassen, sondern die Technik sich an unsere europ\u00e4ische Lebensart.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im n\u00e4chsten Beitrag unserer Gaia-X-Reihe sprechen wir mit Peter Kraemer, dem Leiter des Gaia-X Hubs Germany, \u00fcber die Arbeit der Gaia-X-Community in Deutschland.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">See you soon,<br>Andreas Weiss &amp; Thomas Sprenger<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Autoren.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1808\" width=\"317\" height=\"159\" srcset=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Autoren.png 1266w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Autoren-300x150.png 300w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Autoren-1024x514.png 1024w, https:\/\/www.gxfs.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Autoren-768x385.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 317px) 100vw, 317px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"every-month-on-linkedin-and-www-gxfs-eu\">Jeden Monat auf LinkedIn und www.gxfs.eu<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier auf LinkedIn sowie auf <strong><a href=\"https:\/\/www.gxfs.eu\/de\/\">www.gxfs.eu<\/a><\/strong> f\u00fchren wir Sie jeden Monat durch die Welt von Gaia-X. Unsere Analysen und Interviews pr\u00e4sentieren ihnen Hintergr\u00fcnde und Einblicke, wie eine europ\u00e4ische Initiative und ihre Mitstreiter ein \u00d6kosystem f\u00fcr die Wertsch\u00f6pfung aus Daten schaffen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kopf dieser Artikelreihe ist <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/andreas-weiss-eco\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Andreas Weiss<\/a>. Als Leiter f\u00fcr digitale Gesch\u00e4ftsmodelle bei eco sowie als Direktor von EuroCloud Deutschland_eco ist Andreas Weiss bestens mit der Internet- und Cloud-Industrie in Europa vernetzt und vertraut. Seine Erfahrungen bringt er in die Gaia-X Federation Services (GXFS) ein, dessen Projekteams f\u00fcr die Entwicklung der Gaia-X-Kerntechnologien verantwortlich sind. Unter Federf\u00fchrung des eco wird das GXFS-DE-Projekt zudem vom deutschen Bundesministeriums f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gef\u00f6rdert und steht im engen Austausch mit der Gaia-X Association for Data and Cloud (AISBL). Unterst\u00fctzt wird Weiss auf diesem Blog von <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/thomassprenger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Thomas Sprenger<\/a>, der als Autor und Texter seit zwanzig Jahren \u00fcber den digitalen Wandel schreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz anf\u00e4nglicher Vorbehalte k\u00f6nnte sich Gaia-X zur Cloud-Infrastruktur der n\u00e4chsten Generation entwickeln. Im Erfolgsfall wird die Initiative der Daten\u00f6konomie in Europa nachhaltigen Schub verleihen. Aber was genau wollen die Initiatoren mit Gaia-X erreichen? 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